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Wasser - mehr als Ware

4. Okt.
2 Min. Lesezeit

Von den vielen Zeitungsbeiträgen, die zum 800. Todestag des Franz von Assisi erschienen sind, sticht der von Dalibor Milas (Graz/Zagreb) in der theologischen Online-Zeitschrift „feinschwarz“ besonders heraus. Er schreibt:

 Heute nehme ich an einer Tankstelle eine kleine Plastikflasche aus dem Kühlschrank und bezahle dafür zwei oder drei Euro. Das Merkwürdigste daran ist, dass nichts daran merkwürdig erscheint. Wir kaufen Wasser mit derselben beiläufigen Bewegung wie Kaffee, Treibstoff oder Kaugummi. Auf der Flasche stehen Marke, Herkunft, Mineralwerte, Pfand und Barcode. Nur eine Angabe fehlt: wann wir uns daran gewöhnt haben, dass das Element, ohne das kein Mensch leben kann, vor allem eines geworden ist: Ware.

 In seinem Sonnengesang nennt Franz von Assisi (1181-1226) Wasser „Schwester“: „Laudato si’, mi’ Signore, per sor aqua, la quale è multo utile et humile et pretiosa et casta.“

Schwester Wasser ist nützlich, demütig, kostbar und keusch. Die Reihenfolge ist entscheidend. „Utile“ steht zuerst. Im Vokabular seines Vaters Pietro Bernardone, eines erfolgreichen Tuchhändlers, war nützlich, was sich erwerben, transportieren und mit Gewinn verkaufen ließ. Franziskus verschiebt das Wort. Wasser ist nützlich, weil ohne es nichts lebt. Seine Nützlichkeit entsteht nicht aus dem Profit, den es abwirft, sondern aus der Abhängigkeit alles Lebendigen von ihm. Dann fällt das Wort, das die ganze Ordnung sprengt: Schwester.

 Eine Schwester ist kein Bestand. Sie hat ein Gesicht und entzieht sich meinem Recht auf Verfügung. Franziskus verklärt die Natur nicht, sondern entzieht sie jener Logik, die alles Lebendige in verfügbare Dinge verwandelt. …

 Auch „casta“, keusch, klingt in unseren Ohren fremd. Keusch ist hier nicht prüde. Das Wort bezeichnet eine Unversehrtheit, eine Wirklichkeit, die sich nicht restlos unserem Zugriff ausliefert. Wasser dient allem Lebendigen, ohne dadurch je zu jemandes Eigentum zu werden; es verschenkt sich, ohne sich auszuliefern, und entzieht sich damit jener Logik, die nur schwer erträgt, dass etwas von unschätzbarem Wert sein kann, ohne käuflich zu sein.

 Unsere Zivilisation … hat gelernt, Wasser zu messen, zu stauen, umzuleiten, abzufüllen und zu verkaufen. Aus der Schwester wurde eine Dienstmagd, die reinigen, kühlen, bewässern, Energie liefern, Industrie ermöglichen und möglichst noch Rendite erwirtschaften soll, bis wir in ihr kein Gegenüber mehr erkennen, sondern nur noch eine Ware, deren Wert sich in ihrem Preis erschöpft. …

 Natürlich kostet Wasserversorgung Geld. Leitungen müssen gebaut, Kläranlagen betrieben, Netze gewartet werden. Doch der Preis der Versorgung ist nicht identisch mit dem Wert dessen, was durch die Leitungen fließt. Wo diese Unterscheidung verschwindet, wird Bedürftigkeit zum Geschäftsmodell.

 Franziskus stellt den Menschen nicht aus der Schöpfung heraus, sondern mitten hinein. Er ist Mitgeschöpf, abhängig, beschenkt, sterblich.

 

Hier der ganze Artikel zum Nachlesen:

 

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