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Schutzengel in Not

  • ruedigerfuniok
  • 2. Okt. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Kirchenfenster von Marc Chagall



Am 2. Oktober feiert die katholische Kirche das Fest der Schutzengel. Neben dem Christentum kennen auch die anderen abrahamitischen Religionen, der Islam und das Judentum, das Konzept der Schutzengel. Im Buddhismus werden die Bodhisattvas verehrt.

Der christliche Glaube an Schutzengel fußt auf alttestamentlichen Aussagen. Die Lesung am Schutzengelfest wiederholt seit Jahrhunderten das Wort Gottes (Ex 23,20-23a): „Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen“ und Psalm 91: „Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen“. Altkirchliche Autoren wie Basilius bezeugen bereits den Gedanken persönlicher „Schutzgeister“ – jedem Menschen werde ein Engel als Begleiter und Beschützer zur Seite gestellt.

Dahinter steht die Überzeugung, dass Gottes Fürsorge konkret und individuell erfahren werden kann. Die Verehrung der Schutzengel hat sich im Laufe der Jahrhunderte auch in der Frömmigkeit, Volkskunst und Populärkultur vielfältig niedergeschlagen; Schutzengel werden als personifizierte Begleiter, Trostspender und Lebenshelfer wahrgenommen. In der Literatur, aber vor allem in der Kunst kann die Präsenz von Engeln das hinter ihnen stehende Wort Gottes anschaubar machen, d. h. durch die Engel wird das Unsichtbare sichtbar.

Engel können zwar unsere Gedanken lesen, auch in Notsituationen bei uns sein, aber nicht wirklich eingreifen; darin sind sie Gott ähnlich. Deshalb fragen wir uns oft: Wo sind die Schutzengel, die ja angeblich Kinder behüten, wenn diese missbraucht werden, wenn ihnen Gewalt angetan wird, wenn sie unter Krieg zu leiden haben? Nicht nur die Kinder sind in Not, auch ihre Schutzengel scheinen es zu sein.

Viele Mütter werden heute ähnlich empfinden wie die jüdische Dichterin Mascha Kaléko, die im folgenden Gedicht ihren Schutzengel begrüßt und ihn um Schutz für ihren Sohn bittet.


An meinen Schutzengel


Den Namen weiß ich nicht. Doch du bist einer

der Engel aus dem himmlischen Quartett,

das einstmals, als ich kleiner war und reiner,

allnächtlich Wache hielt an meinem Bett.


Wie du auch heißt - seit vielen Jahren schon

hältst Du die Schwingen über mich gebreitet

und hast, der Toren guter Schutzpatron,

durch Wasser und durch Feuer mich geleitet.


Du halfst dem Taugenichts, als er zu spät

das Einmaleins der Lebensschule lernte.

und meine Saat mit Bangen ausgesät,

ging auf und wurde unverhofft zur Ernte.


Seit langem bin ich tief in deiner Schuld.

Verzeih mir noch die eine – letzte – Bitte

Erstrecke deine himmlische Geduld

auch auf mein Kind und lenke seine Schritte.


Er ist mein Sohn. Das heißt: Er ist gefährdet.

Sei um ihn tags, behüte seinen Schlaf.

Und füg es, daß mein liebes schwarzes Schaf

sich dann und wann ein wenig weiß gebärdet.


Gib du dem kleinen Träumer das Geleit.

Hilf ihm vor Gott und vor der Welt bestehen.

Und bleibt dir dann noch etwas freie Zeit,

magst du bei mir auch nach dem Rechten sehen.

Mascha Kaléko[1]

 


[1] Aus: In meinen Träumen läutet es Sturm. dtv 2007

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