Friede fängt klein an
- ruedigerfuniok
- 23. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Dez. 2025

Die Geschichte der Geburt Jesu ist uns vertraut. Dennoch lohnt es sich, einzelne Worte abzuklopfen und ihrem Klang für heute nachzuspüren.
Der Engel des Herrn trat zu den Hirten und der Glanz Gottes umstrahlte sie, und großer Schrecken kam über sie.
Und der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, seht – ich verkünde euch große Freude, die dem ganzen Volk (Israel) zuteilwerden soll. Denn heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren: der Messias, der Herr.
Und dies soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
Und auf einmal war bei dem Engel eine Menge des himmlischen Heeres, die Gott lobten und sagten: Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Friede den Menschen seines Wohlgefallens. (Lukas-Evangelium 2, 9-14)
Hirten, einfachen Leuten, wird zuerst mitgeteilt, worauf das gläubige Israel sehnsüchtig wartete (und das Judentum noch heute): im kleinen Bethlehem, immerhin Geburtsort des Königs David, ist der Messias geboren. Die Engel nennen ihn „Retter“ und „Herr“. Beide Titel trug auch der römische Kaiser, der mächtige Mann an der Spitze des römischen Reiches. Auch in der Anfrage bei Maria nennt der Engel Gabriel das Kind, das sie zur Welt bringen soll „Sohn des Höchsten“, „König bis ans Ende der Welt“.
Und jetzt dies: ein ganz gewöhnliches Kind, das in einer Höhle, wo Menschen und Tiere zusammenlebten, in einem steinernen Futtertrog liegt. In Windeln, nachdem man es gewaschen und gereinigt hat. Der, der ganz oben ist, wird klein, um uns und alle Menschen zu erhöhen. Weihnachten ist die Geschichte vom Abstieg Gottes, von seiner Zuwendung nach unten. Das ist nicht nur eine Umkehrung der in der realen Welt dominanten Werte, sondern auch eine Revolution des Gottesbildes, unserer Gottesbeziehung.
Und die Botschaft der vielen Engel, die am Ende der Szene auftauchen: „auf Erden Friede den Menschen, die sich Gott erwählt hat.“ Die diesem kleinen Retter, diesem bescheidenen König alles zutrauen. Er will der Retter aller Menschen sein, auch derer, die heute – wie die Römer damals - stolz sind auf ihre militärische und wirtschaftliche Macht. Die anderen mit Drohungen und Deals einen, vor Kameras inszenierten Friedenschluss aufzwingen. Es stellt sich freilich schnell heraus, dass dieser Friedenspakt nicht lange hält, weil er nicht getragen ist von gegenseitigem Respekt, von Vergebung und Wiederbelebung nachbarschaftlicher Beziehungen.
Martin Luther King formulierte es einmal so:
Das ist das große Problem der Menschheit. Wir haben ein großes Haus geerbt, in dem wir zusammenleben müssen: Schwarze, Weiße, Morgenländer und Abendländer, Juden und Nichtjuden, Katholiken und Protestanten, Moslems und Hindus. Eine Familie, die in Ideen, Kultur und Interessen zu Unrecht getrennt ist, weil wir niemals wieder getrennt leben können, werden wir lernen müssen, in Frieden miteinander auszukommen. Alle Bewohner der Erde sind Nachbarn.



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