Musik bringt Hoffnung
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Das Mausoleum des Scheichs Hamad an-Nil: Der Sufismus – der mystische Islam – ist die wichtigste Glaubensrichtung im Sudan. Noch immer kommen Hunderte freitags zur Versammlung, vor dem Krieg waren es Tausende gewesen. (Foto: Navid Kermani)
Normalerweise erreichen uns aus dem Sudan Nachrichten über Gewalt, Hunger und Vertreibungen. Der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani hat den Sudan besucht und sein elektronisch geführtes Notizbuch mit Text und Fotos im SZ-Magazin (19.06.2026) veröffentlicht. Er begegnete dort schrecklichem Leid, aber auch Menschen, die noch Hoffnung haben. Die dort gelebte Religion des Sufismus ist eine wichtige Quelle dieser Hoffnung.
In der Stadt Dschazira besuchte er den Mystiker Asim al-Tayyeb Quarashi, der glaubt, dass Musik die Sudanesen versöhnen kann. Für al-Tayyeb ist der Sufismus nicht auf den Islam beschränkt, nicht einmal auf die Religion:
„Es ist eine bestimmte Art der Verbindung, die ich am stärksten spüre, wenn ich auf der Oud spiele. Es kommt mir dann wirklich so vor, als würde ich schweben, als wäre ich von Raum und Zeit befreit, es gibt keine Trennung mehr zwischen der Außenwelt und mir. Andere erfahren dieses Einssein, wenn sie Haydn hören oder Mozart, aber immer ist die Grundlage Liebe und Schönheit, nicht die Schönheit allein.
– Und was ist der Grund für den Krieg?
– Der Grund ist, dass wir nicht mehr die Verbindung spüren. Schau dich nur in unseren Städten um, schau den Müll überall, die Achtlosigkeit.
– Ja, im Deutschen sind Hass und Hässlichkeit sprachlich eng verwandt.
– Sufismus bedeutet Liebe, und wenn du nicht liebst, siehst du auch die Schönheit nicht. Der legalistische Islam, der aus Saudi-Arabien kam, hat den traditionellen Glauben fast ganz verdrängt. Selbst die Sufis sind jetzt bei uns Legalisten, sie halten sich ans Wort, nicht an den Geist des Islams. Weshalb wenden sich heute so viele junge Menschen vom Islam ab? Weil sie im heutigen Islam nur Gewalt und Hartherzigkeit sehen. Weil sie nichts mehr wissen von unserer Vergangenheit. Wer seine eigene Geschichte nicht kennt, hat keine Zukunft. Das ist das Problem. Der Krieg ist nicht die Ursache unserer Misere, sondern die Folge."



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