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Krippen abbauen

  • ruedigerfuniok
  • 10. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Im liturgischen Kalender der katholischen Kirche geht mit dem Fest der Taufe Jesu im Jordan (dieses Jahr am 11. Januar), die Weihnachtszeit zu Ende. Früher dauerte der Weihnachtsfestkreis bis 2. Februar, dem 40. Tag nach der Geburt Jesu. An diesem Tag wurde Maria nach der jüdischen Thora wieder „rein“ („Mariä Reinigung“). In der traditionellen bäuerlichen Kultur endete an diesem Tag der jährliche Arbeitsvertrag; Knechte und Mägde bekamen eine neue Arbeitskleidung und Kerzen („Mariä Lichtmeß“) und wurden in der Regel neu angestellt.

Ein gewisses Aufräumen und Umschalten gibt es auch bei uns heute, wenn wir nach Dreikönig den Schmuck vom Weihnachtsbaum nehmen, ihn und den Adventskranz entsorgen und die Weihnachtskrippe abbauen. In vielen Haushalten gibt es ja noch eine (ererbte oder selbst gestaltete) Weihnachtskrippe.

Interessant ist die Geschichte dieses Brauchs, Krippen aufzustellen. Zunächst gab es die Krippen nur in Kirchen oder öffentlichen Gebäuden. Bestärkt durch das Konzil von Trient (1545–1563) versuchten die Orden der Jesuiten und Franziskaner, die Inhalte der Bibel durch szenenhafte Darstellungen neu zu beleben. Vor allem die Geburt Jesu zu Weihnachten sowie die Passion zu Ostern wurden solchermaßen den Gläubigen nähergebracht. Kästchen oder größere Gehäuse mit biblischen Darstellungen wurden in Kirchen aufgestellt.

Das änderte sich in der Aufklärungszeit (ab Mitte des 18. Jahrhunderts). Unter Kaiserin Maria Theresia und Joseph II. wurden Weihnachtskrippen durch mehrere Verbote aus den öffentlichen Gebäuden, also vor allem aus den Kirchen, verbannt. Ein ähnliches Verbot erließ sogar der Erzbischof von Salzburg (als Landesherr) 1784 für sein Fürstbistum. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bekräftigte der Minister Maximilian von Montgelas dies auch für das neu geschaffene Bayern. Durch diese Unterdrückung im öffentlichen Raum erhielten die Weihnachtskrippen Einzug in den privaten Bereich. Und dies blieb so, auch nachdem die Verbote aufgehoben wurden.

Krippen folgen dem Prinzip der Inszenierung biblischer Erzählungen. Dieses können wir auch auf andere Bibelszenen anwenden. Zum Beispiel, wenn wir eine Szene betrachten, in der z.B. Jesus handelt oder predigt. Ignatius von Loyola empfiehlt uns, vor unseren inneren Augen „den Schauplatz zuzurichten“. Wir sollten dabei zunächst die Landschaft, die Personen, ihr Verhalten zueinander interessiert betrachten (contemplari) und ihre Worte innerlich hören.

Der Abbau der Krippe ist auch für uns eine Möglichkeit, diese Verlebendigung von biblischen Erzählungen zu praktizieren. So können die Erzählungen von Jesus zum „fünften“, das heißt von uns selbst durchgefühlten Evangelium werden.

 

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