Faszination Jakobsweg
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Der 25. Juli ist der Gedenktag des Apostels Jakobus. Zusammen mit seinem Bruder Johannes gehört er, neben Andreas und Simon Petrus, zu den erstberufenen Jüngern Jesu. Sie nehmen im Kreis seiner Jünger eine besondere Stellung ein, weil Jesus sie an bedeutenden Ereignissen seines Lebens teilnehmen lässt. Jakobus ist zusammen mit Petrus und Johannes auf dem Berg der Verklärung, als Jesus mit Elija und Mose spricht, und im Garten Getsemani wird er Zeuge der Verzweiflung Jesu angesichts seines bevorstehenden Leidensweges.
Jakobus und Johannes erhalten von Jesus wegen ihrer ungestümen Wesensart den aramäischen Beinamen Boanerges, was Donnersöhne bedeutet. Nach der Auferstehung befindet sich Jakobus mit den anderen Aposteln in Jerusalem. Wie die Apostelgeschichte (12,1-2) berichtet, wurde er während der Herrschaft des Herodes Agrippa I. (41-44 n. Chr.) mit dem Schwert hingerichtet.
Um Jakobus ranken sich besonders in Spanien zahlreiche Legenden. Nach einer, für den Jakobuskult in Santiago de Compostela grundlegenden Legende übergaben seine Jünger den Leichnam des Apostels nach der Enthauptung einem Schiff ohne Besatzung, das später in Galicien im Nordwesten Spaniens anlandete. Helfer setzten ihn weiter im Landesinneren bei. Dann geriet das Grab in Vergessenheit. Nach der Wiederentdeckung im 9. Jahrhundert wurde darüber eine Kapelle, später eine Kirche und schließlich die Kathedrale errichtet, um die herum sich der Pilgerort Santiago de Compostela entwickelte und zu dem die Jakobswege führen.
Seit dem späten 9. Jahrhundert wurde dem Apostel, der sich zum Nationalheiligen entwickelte, zunehmend eine militärische Funktion zugeschrieben. Einer späten, aus dem 12. Jahrhundert stammenden Legende zufolge griff Jakobus schon im Jahre 844 in der Schlacht von Clavijo auf der Seite der Christen gegen die Mauren ein und führte den Sieg herbei, wobei er als Ritter auf einem Schimmel erschien. In den Chroniken finden sich viele Berichte solcher Art. Jakobus erhielt in ihnen den Beinamen Matamoros (Maurentöter). Im Spätmittelalter wurde er bildlich als galoppierender Ritter dargestellt. In der frühen Neuzeit hatte Jakobus für die Spanier auch bei der Eroberung Amerikas und bei Kämpfen gegen die Türken die Funktion des Schlachtenhelfers.
Ab dem 12. Jahrhundert wurde die Wallfahrt nach Santiago de Compostela – neben der nach Rom oder Jerusalem – in ganz Europa populär. Man konnte sogar bei schweren Delikten zu einer solchen Wallfahrt verurteilt werden – als Alternative für die Todesstrafe oder lange Kerkerhaft. Immerhin dauerte die Wallfahrt von Mitteleuropa hin und zurück mindestens zehn Monate. Der Weg über die Pyrenäen war gefährlich, man war zu einem religiösen Lebensstil verpflichtet. Zum Nachweis brachte man die auch heute noch üblichen Stempel im Pilgerbuch nach Hause.
Nach heutigem Forschungsstand gibt es keine Beweise für die Behauptung, dass Jakobus sich auf der Iberischen Halbinsel aufgehalten hat oder seine Gebeine dorthin gebracht wurden. Aber was vermag schon die geschichtswissenschaftliche Kritik gegen die Tatsache, dass in Santiago di Compostela seit Jahrhunderten gebetet wird, dass der Pilgerweg dorthin – im Mittelalter „Milchstraße“ genannt – heute wieder Zehntausende fasziniert? Wohin bin ich unterwegs, was ist mein Ziel? bewegt die Menschen auf ihrem wochenlangen Weg. Die Frage nach den Ehrenplätzen neben Jesus, welche die Mutter des Jakobus und Johannes stellt (Mt 20, 21), erscheint unwichtig – wenn man nur auf seinem eigenen Weg bleibt, seinen eigenen Rhythmus findet und weiß, wohin man unterwegs ist. Die Bitte, darüber Klarheit zu bekommen, darf man auch mit Blick auf Jakobus aussprechen – ganz gleich wo er wirklich begraben ist.



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