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An einem Tag im September

  • ruedigerfuniok
  • 17. Sept. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Vielleicht haben Sie auch vor einigen Tagen den bewegenden TV-Film „An einem Tag im September“ gesehen. Er zeigte das erste private Treffen von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle am 14. September 1958. Es markierte den Anfang der deutsch-französischen Versöhnung Anfang der 1960-er Jahre.

Auch ich erlebte drei Jahre später, im September 1961 eine Versöhnungsgeschichte. Zwischen Abitur und Studienbeginn hatte ich endlich Zeit gefunden, die Familie meines französischen Schulfreundes zu besuchen. François war schon drei Jahre hintereinander im Juli und August an meinem Augsburger Gymnasium mit Internat gewesen, um sein Deutsch zu verbessern. Zu Beginn unserer Ferien hatte ich ihn jeweils auf die Fahrradtouren meiner Jugendgruppe mitgenommen, und anschließend war er noch ein bis zwei Wochen in meiner Familie. Es wurde also Zeit, dass ich zum Gegenbesuch nach Bar-le-Duc (bei Nancy) fuhr. Der Orient-Express kam dort zwischen fünf und sechs Uhr morgens an. François holte mich am Bahnhof ab, seine Mutter fuhr uns mit ihrer „Ente“ in das Elternhaus mit großem Garten.


Mehr noch als beim Autofahren erlebte ich sie dort als temperamentvolle Frau, die ihrem Haushalt mit Mann und sechs Kindern energisch vorstand. Umso überraschter war ich, als sie mich nach dem Abendessen plötzlich mit Tränen in den Augen in den Arm nahm und etwas murmelte wie: „Sie haben mir den Frieden gegeben.“ Auf meinen fragenden Blick hin begann sie zu erklären: Ihr Mann hatte wenige Woche nach ihrer Heirat jungen Franzosen, die auf dem Bahnhof auf ihren Abtransport zur Zwangsarbeit nach Deutschland warteten, zur Flucht verholfen. Er musste in den Untergrund gehen und kam nur alle zwei Monate kurz für eine Nacht zu ihr. Sie lebte in der ständigen Angst, dass die Gestapo oder die deutsche Wehrmacht ihren Mann finden und sofort töten könnten. Und jetzt stand ich als der erste Deutsche, mit dem sie wieder zu tun hatte, vor ihr – offensichtlich ein wirklicher Freund ihres Sohnes. Es war ein Moment großer Versöhnung.


In diesen Tagen sehnen wir uns nach solchen Gesten ehrlicher Versöhnung. In vielen Konfliktregionen ist noch ein weiter Weg bis dahin. Mir hilft meine Erinnerung, das Unwahrscheinliche für möglich zu halten: Versöhnung und Frieden.

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