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Oster-Hoffnung



Immer wieder erzählen Frauen von Auferstehungserfahrungen, die sie inmitten einer Welt von Gewalt und Leid machen. In besonderer Weise gilt das auch für das folgende Zeugnis einer Jüdin, die von den Nazis in Auschwitz ermordet wurde:

Esther (Etty) Hillesum, geboren 1914, erlebte die deutsche Besatzung als Studentin in Amsterdam, kam ins Lager Westerbork und wurde 1943 in Auschwitz umgebracht. Je mehr ihr äußerer Lebensraum durch Schikanen eingeschränkt wurde, umso reicher entfaltete sich ihr geistiges und religiöses Denken. Das tägliche Geschenk des Lebens, die Schönheit der Natur und ihr Aufblühen gaben ihr Hoffnung trotz des bevorstehenden Todes.


„Und bleibt mir nur ein schmaler Weg,

der Himmel bleibt ganz weit und groß,

spannt sich in mir und über mir,

behütend und doch grenzenlos.

 

In mir, da blüht noch immer duftend der Jasmin,

er blüht für Gott an diesen stürmisch-grauen Tagen,

und auch in anderen verbirgt sich so viel Schönes,

oft sind es Zeichen, die viel mehr als Worte sagen.

 

In mir ist Leben und als Freund sogar der Tod,

er wird mein Dasein nicht begrenzen, sondern weiten,

allein die Angst verengt den Atemstrom des Lebens,

ich aber liebe es mit allen seinen Seiten.

 

Und bleibt mir nur ein schmaler Weg

der Himmel bleibt ganz weit und groß,

spannt sich in mir und über mir,

behütend und doch grenzenlos.“[1]

 

 

 


[1] J. Gl. Gaarland (Hrsg.): Das denkende Herz. Die Tagebücher der Etty Hillesum 1941-1943. Reinbek: Rowohlt 1983.

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