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Was meint Reinheit?



Der französische Jesuitenpater und Paläontologe Pierre Teilhard de Chardin (1881 - 1955) hat die Entwicklung des gesamten Kosmos naturwissenschaftlich und theologisch nachgezeichnet. Seine Schriften wurden lange Zeit nur in privaten Zirkeln weitergereicht; denn ihre Veröffentlichung war durch die römische Zensur verboten. Das änderte sich mit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962 – 1965).

In seiner Schrift „Der göttliche Bereich“ bietet er einen „Entwurf des inneren Lebens“, so der Untertitel. Es geht ihm dabei um eine neue Sicht auf die christliche Spiritualität. Sie war jahrhundertelang durch die Spaltung von Liebe zu Gott und Liebe zur diesseitigen Welt geprägt. Teilhard de Chardin spricht dagegen von der Heiligung im Tätigsein, das sich im Einklang mit der fortdauernden Schöpfung Gottes versteht. Er sieht Heiligung aber auch im Erleiden des Wachstums und der „Minderung“, worunter er das Aushalten von physischem und moralischem Übel versteht.

In seinem Schlussteil skizziert er drei notwendige Tugenden: Reinheit, Glaube und Treue. Was er über Reinheit sagt, sei hier auszugsweise wiedergegeben (aus der deutschen Übersetzung im Walter-Verlag, Olten/Freiburg 1962, S. 158 – 161):

„Reinheit im großen Sinne des Wortes ist nicht bloß Freisein von Sünden. Das ist nur ihr negatives Gesicht. Reinheit bedeutet auch nicht Keuschheit. Diese ist bloß ein bemerkenswerter Einzelfall von Reinheit. Reinheit ist jene Geradlinigkeit und jener Schwung, die die Liebe Gottes, wen man Ihn in allem und über alles sucht, in unser Leben hineinbringt. …

So verstanden bemißt sich die Reinheit der Wesen nach dem Grad der Anziehung, die sie zum göttlichen Mittelpunkt hinführt – oder, was auf das gleich herauskommt, darnach, wie nahe sie diesem Mittelpunkt stehen. … Das also ist, in ihrer Kraft und Wirklichkeit ausgedrückt, das Vermögen der Reinheit, das Göttliche unter uns entstehen zu lassen.“


In den Seligpreisungen (Mt 5, 8) heißt es: „Selig, die ein reines Herzen haben; denn sie werden Gott schauen“. Für den Mystiker Teilhard geht dieses Schauen in das Vereinigtwerden mit Gott über. Können Sie sich dieser Vision anschließen?

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