Was ist uns heilig?
- 28. Aug. 2025
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Von Aurelius Augustinus, dem großen lateinischen Kirchenlehrer (354 - 430, sein Gedenktag: 28. August) wird folgendes Gebet überliefert:
Atme in mir, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges denke.
Treibe mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges tue.
Locke mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges liebe.
Stärke mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges hüte.
Hüte mich, du Heiliger Geist,
dass ich das Heilige nimmer verliere.
Augustinus geht davon aus, dass Gottes Heiliger Geist jedem von uns innerlich ist. Diese Gegenwart Gottes möge, so bittet er, uns bewegen, Heiliges zu denken, zu tun, zu lieben und zu (be)hüten. Was meint er mit dem Heiligen, dem unser Denken, unser Tun, unsere Liebe und unsere Sorge gelten sollen?
Heilig ist für uns das, was uns geschenkt ist, was wir nicht machen können, worüber wir nicht verfügen. Heilig ist das, woran wir glauben, woran wir unser Herz hängen, worauf wir unsere größte Hoffnung setzen. Heilig ist das Leben, diese wunderbare Dynamik und Vielfalt von uns und allen Lebewesen. Die Würde eines jeden Mensch ist etwa Heiliges. Aber auch die Materie und Antimaterie, die Unermesslichkeit des Weltalls.
Dem Heiligen gegenüber ist Ehrfurcht und Dankbarkeit angebracht. Heiliges bewegt uns zum Guten, es fasziniert durch seine Schönheit, es gibt uns Orientierung und bestärkt uns. Im Christentum sowie in anderen Religionen ist nur Gott selbst wirklich heilig. Doch alles, was zu ihm gehört oder was von ihm ausgeht, gilt als heilig.
Die evangelische Theologin Dorothee Sölle (1929 – 2003) formulierte folgendes Glaubensbekenntnis:
Ich glaube an Gottes gute Schöpfung – die Erde, sie ist heilig. Gestern, heute und morgen. Taste sie nicht an! Sie gehört nicht Dir! Und keinem Konzern! Wir besitzen sie nicht wie ein Ding, das man kauft, benutzt und wegwirft. Sie gehört einem anderen. Was könnten wir von Gott wissen, ohne sie, unsere Mutter; wie könnten wir von Gott reden, ohne die Blumen, die Gott loben, ohne den Wind und das Wasser, die im Rauschen von ihm erzählen. Wie könnten wir Gott lieben, ohne von unserer Mutter das Hüten zu lernen und das Bewahren. Ich glaube an Gottes gute Schöpfung – die Erde. Sie ist für alle da, nicht nur für die Reichen, sie ist heilig, jedes einzelne Blatt, das Meer und das Land, das Licht und die Finsternis, das Geboren Werden und das Sterben. Alle singen das Lied der Erde. Lass uns nicht einen Tag leben und sie vergessen. Wir wollen ihren Rhythmus bewahren und ihr Glück leuchten lassen. Sie beschützen vor Habsucht und Herrschsucht. Weil sie heilig ist, können wir suchtfrei werden. Weil sie heilig ist, lernen wir das Heilen. Ich glaube an Gottes gute Schöpfung – die Erde. Sie ist heilig. Gestern, heute und morgen. Amen.



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