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Sonnengesang des Echnaton


Um den 21. Juni haben wir auf der Nordhalbkugel die längsten Tage – in Nordeuropa dazu die weißen Nächte, in denen die Sonne kaum untergeht und man ausgiebig miteinander feiert. Auch in Mittel- und Südeuropa gibt es den alten, schon vorchristlichen Brauch, in die Nacht hinein ein Sonnwend-Feuer anzuzünden und so das Licht der Sonne nochmals zu verlängern. Weil im alten Julianischen Kalender die Sonnenwende auf den 24. Juni fiel, den Gedenktag an Johannes den Täufer, nennt die christliche Tradition es auch Johannes-Feuer.


Diese langen Tage können Anlass sein, für das Geschenk des Sonnenlichts zu danken. Ein Loblied auf die Sonne zu singen, hat eine lange Tradition. Wohl das älteste dieser Sonnengesänge stammt von dem Ägyptischen Pharao Echnaton (um 1345 vor Chr.), der sich als Sohn des Sonnengottes Re verstand. Hier wird die Sonne als oberste Gottheit bezeichnet – in der jüdischen und christlichen Religion ist sie ein Geschöpf des transzendenten Gottes (wie das in einem ähnlichen Loblied auf die Sonne, dem Psalm 104, deutlich wird). Die Schönheit und belebende Wirkung, auch die ordnende Kraft der täglich aufgehenden Sonne sind Grund genug, ihr ein Loblied zu singen.


„Schön erscheinst du im Horizonte des Himmels,

du lebendige Sonne, die das Leben bestimmt!

Du bist aufgegangen im Osthorizont

und hast jedes Land mit deiner Schönheit erfüllt.

Schön bist du, groß und strahlend, hoch über allem Land.

Deine Strahlen umfassen die Länder

bis ans Ende von allem, was du geschaffen hast. …

 

Gehst du unter im Westhorizont,

so ist die Welt in Finsternis, in der Verfassung des Todes. …

Am Morgen aber bist du aufgegangen im Horizont

und leuchtest als Sonne am Tage;

du vertreibst die Finsternis und schenkst deine Strahlen.

Die Beiden Länder [Ober- und Unterägypten] sind täglich im Fest,

die Menschen sind erwacht und stehen auf den Füßen,

du hast sie aufgerichtet.

 

Rein ist ihr Leib, sie haben Kleider angelegt,

und ihre Arme sind in Anbetung bei deinem Erscheinen,

das ganze Land tut seine Arbeit.

Alles Vieh ist zufrieden mit seinem Kraut,

Bäume und Kräuter grünen.

Die Vögel sind aus ihren Nestern aufgeflogen,

ihre Schwingen preisen deinen Ka.

Alles Wild hüpft auf den Füßen,

alles, was fliegt und flattert, lebt,

wenn du für sie aufgegangen bist.“

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