Rilkes Engel
- ruedigerfuniok
- 6. Dez. 2025
- 1 Min. Lesezeit

Hildegard von Bingen: Der Chor der Engel
In den vergangenen Tagen wurde an den 150. Geburtstag von Rainer Maria Rilke (1875 – 1926) erinnert. In zahlreichen seiner Gedichte begegnen uns Engel. Sie haben für Rilke die Funktion, eine Wirklichkeit geheimnisvoll aufleuchten zu lassen, die in uns als schöpferische Kraft wirkt. Sie kann uns verändern und uns von gewohnten Haltungen und Sichtweisen befreien. Engel ermutigen uns, den schöpferischen Geist in uns wirken zu lassen.
Der Engel
Mit einem Neigen seiner Stirne weist
er weit von sich was einschränkt und verpflichtet;
denn durch sein Herz geht riesig aufgerichtet
das ewig Kommende das kreist.
Die tiefen Himmel stehn ihm voll Gestalten,
und jede kann ihm rufen: komm, erkenn -.
Gieb seinen leichten Händen nichts zu halten
aus deinem Lastenden. Sie kämen denn
bei Nacht zu dir, dich ringender zu prüfen,
und gingen wie Erzürnte durch das Haus
und griffen dich als ob sie dich erschüfen
und brächen dich aus deiner Form heraus.
Aus: Neue Gedichte (1907)



Kommentare