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Lob der Bienen



Die Bienen fliegen wieder - es ist Frühling! Auch in früheren Jahrhunderten haben Schriftsteller sie begrüßt. Der deutsche Jesuit Friedrich Spee widmete ihnen ein Gedicht mit 44 Strophen. Bekannter ist er freilich als Verfasser der ersten wissenschaftlichen Schrift gegen Hexenverfolgung und Folter. Sein lateinisch geschriebenes Buch „Cautio Criminalis“ erschien 1631 anonym. Weil er seine Einwände gegen die Folter auch in Vorlesungen an der Universität Paderborn vortrug, verlor er seinen Lehrstuhl und wurde nicht zu den letzten Ordensgelübden zugelassen. Nun wollte er im Dienst an den Kranken sterben. Seine Ordensoberen versetzten ihn nach Trier, dort steckte er sich bei der Pflege verwundeter Soldaten mit der Pest an. Mit nur 44 Jahren starb er 1635, sein Grab ist in der Gruft der Trierer Jesuitenkirche.


Viele Gedichte von Friedrich Spee wurden später vertont und finden sich bis heute im „Gotteslob“ - zum Beispiel die Osterlieder „Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, in deiner Urständ fröhlich ist“ und „Lasst und erfreuen herzlich sehr“. Die meisten seiner Gedichte drücken Freude über die Schönheit der Natur und Dankbarkeit dem Schöpfer gegenüber aus. Sie wurden gesammelt erst 1649 unter dem Titel „Trutznachtigall“ gedruckt. Der Romantiker Clemens von Brentano grub sie 150 Jahre später aus – zu einer Zeit, in welcher der Jesuitenorden nicht mehr existierte – und veröffentlichte sie in Berlin im Jahre 1817.


Im Folgenden geben wir Teile seines Gedichts über die Bienen wieder. Es lobt ihre Arbeit und Verdienste. Spee sieht ihnen zu, wie sie ihren „sanften Blumenraub“ zu Honig verarbeiten. Wir rauben ihnen diesen wiederum, ebenso das Wachs ihrer „Wohnungen“. Die daraus gemachten Kerzen waren damals die einzigen künstlichen Lichtquellen. Heute ist durch die industrialisierte Landwirtschaft ein weiterer Beitrag der Bienen gefährdet: die Bestäubung der Blüten, ohne die es keine Früchte gibt. Ob Lyrik etwas ausrichten kann gegen ökono-mische Zwänge? Vielleicht hilft uns dabei der Optimismus von Friedrich Spee – immerhin schrieb er seine Gedichte mitten im furchtbaren 30jährigen Krieg.


Gar sparsam sie sich nähren,

gar leben sie genau;

Nur wir, wir ihn’n entleeren

die Körb‘ und reichen Bau.

Sie nur den fremden Gästen

den Reichtum haben spart

und uns getan zum Besten

so manche Blumenfahrt.


Wer will nun überdenken,

was hoch und schwere Tax‘

der Welt sie jährlich schenken

an Honig und an Wachs?

Mit vielmal tausend, tausend

Dukaten, rot von Gold,

und je noch tausend, tausend

man‘ nie bezahlen sollt‘.


Wer Mensch mag’s auch erdenken,

was jährlich ohn‘ Verzug

dem lieben Gott sie schenken

aus ihrem Blumenflug?

Sie tausend, tausend, tausend

Ihm Lichter zünden an,

so Tag und Nacht in tausend

und tausend Kirchen stahn.


Steigt auf und steigt hinunter

in allen Werken sein;

Ruft überall: „Wie wunder

muss er doch selber sein!“

Ruft überall: Wie wunder

sind alle Wunder sein!

Wie wunder und wie wunder

Muss er dann selber sein!“

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