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Cäcilia - Patronin der Musik (22. Nov.)


Keine Epoche vor uns hatte die Möglichkeit, soviel Musik in exzellenter Qualität fast überall zur Verfügung zu haben wie unsere Zeit. Musik dient uns zum Verdeutlichen der Stimmungen in uns. Sie hilft uns, in dunklen Stimmungen nicht zu versinken, sondern langsam wieder aus ihnen herauszufinden zu helleren Stimmungen. Musikhören als Mood-Management. Wir können Stimmungen nicht gewaltsam umdrehen, aber wir können sie in ein friedlicheres, uns bekanntes Fahrwasser lenken. Wir können mit Musik zu mehr Vertrauen finden.


So war es schon bei der hl. Cäcilia. Sie hatte im 5. Jahrhundert eine Kirche im römischen Stadtteil Trastevere gestiftet – jenem Stadtteil, wo schon immer auf der Straße gegessen und getrunken, aber auch gesungen wurde. Die Legende verlegt ihr Leben zurück in die Zeit der Christenverfolgungen und berichtet über ihre Hinrichtung folgendes: Der mit ihrer Hinrichtung beauftragte römische Offizier, wollte sie, um öffentlichen Aufruhr zu vermeiden, in den Baderäumen ihres Palastes mit heißem Dampf ersticken lassen. Das misslang, und nun sollte sie durch das Schwert sterben. Drei tiefe Wunden fügte der Henker der Verur­teilten zu, dann ließ er die Verblutende liegen. Cäcilia, die die Musik über alles liebte, hatte um die Gnade gebeten, dass während der Urteilsvollstreckung im Nebenraum gesungen werden sollte. Die Musik und die Überzeugung, dass dieser Tod kein Ende, sondern Beginn eines neuen ewigen Lebens sei, ließen sie die Qualen des langsamen Sterbens ertragen.


Das Beispiel von Cäcilia macht klar, dass es neben der Musik auch eine Überzeugung braucht, um das Schwere und Hinabziehende des Lebens auszuhalten. Musik allein reicht nicht aus, damit Vertrauen und Sicherheit die Oberhand in uns gewinnen. Dazu braucht es den Glauben daran, dass nicht Gewalt und Hass das letzte Wort haben. Aber diesen Glaube bestärken wir in uns durch Musik, vor allem solche mit einem ermutigenden Text. Vermutlich hat sich Cäcilia religiöse Hymnen zu ihrer Folter singen lassen und sie hat sie für sich mitgesungen. Man kann gewiss auch ohne Gesang beten, und ein Mensch kann auch dann einen tiefen Glauben haben, wenn er unmusikalisch ist. Dennoch haben schon die Juden ihre Psalmen auch gesungen und die ersten Christen zahlreiche Hymnen geschaffen. Deshalb hat sich dieses Bedürfnis im Gregorianischen Choral, im Kirchenlied, in den großen Messen und Oratorien bis hin zu den „Neuen Geistlichen Liedern“ und zum Sacro-Pop immer wieder schöpferisch gemeldet.


Religiöse Musik kann unserem Glauben Kraft geben, weil sie Töne und Melodien bereitstellt zum Mitsingen und Nachsingen in den guten und schwierigen Stunden unseres Lebens. Verbinden wir nicht einzelne Glaubens­aussagen fast unwillkürlich mit bestimmten Melodien – einfach, weil diese Glaubensüberzeugungen auch durch Melodien und Liedtexte in unserem Erleben verankert wurden? Fragen wir uns, welche „Ohrwürmer“ in uns aufsteigen, wenn wir alleine spazieren gehen!


Ich hoffe, jede und jeder von uns hat da einen persönlichen Vorrat an bestärkenden Worten und Melodien – nicht immer sind es deutlich religiöse Texte. Aber sie waren und bleiben wichtig, damit wir in uns jene Haltungen aktivieren, die zu Menschen machen, die mit Gott verbunden sind, aber auch mit anderen Menschen. Wir haben Grund, dankbar zu sein für diese Musik und Grund, sie zu pflegen.

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